Tag 14 – Hören Sie ganz genau hin!

Unser Ohr / Quelle: https://www.wildcat.de/piercing-tattoo/ohr-piercing-und-akupunktur.page

Wenn Sie das hier lesen, machen Sie doch mal eine ganz bewusste Pause!

Was nehmen Sie wahr, wenn Sie jetzt in diesem Moment Ihre Ohren ganz bewusst hören lassen, was um Sie herum passiert? Zwitschern Vögel aus dem geöffneten Fenster herein? Fährt ein Auto unten auf der Straße vorbei? Wirft ein Nachbar im Hausflur eine Tür zu? Schreit ein Kind von Ferne? Schließen Sie nur mal eine Minute die Augen und hören Sie Ihrer Welt zu!

Wahnsinn, oder?! Wir sind ja daran gewöhnt, dass wir alle Sinne gleichzeitig in Betrieb haben. Das Telefon klingelt, im Radio läuft gerade ein Song, eine Tasse Kaffee duftet zu Ihnen rüber, Zigarettenqualm vom Nachbarbalkon dringt durch die Balkontür in Ihre Wohnung, im PC schießt Ihr Bildschirmschoner von links nach rechts, die Tapete in Ihrer Wohnung – sofern Sie Ihre Wände nicht anders gestaltet haben –  ist auch ein ständiger optischer Reiz….und das ließe sich jetzt unendlich fortführen.

Viel interessanter für mich ist im Moment jedoch, den Fokus allein auf Ihr Ohr zu richten und welche Zahlen und Fakten sich um dieses erstaunliche Sinnesorgan bewegen, das von außen in unser Innerstes führt. Musik, gesprochene Worte, Geräusche – alles erst mal schlichte Information und doch der Impuls für das, was sich dann in unserem Gehirn abspielt und dort verarbeitet wird. Wenn Ihnen jemand eine Liebeserklärung macht, Sie anschreit oder etwas vorsingt, wenn jemand flüstert, etwas zu laut ist oder zu leise, alles das dringt in Ihre Wahrnehmung ein und verändert Ihr Leben und Denken fortwährend! Allein durch Vibrationen, Schall und Druckwellen…

Und auch Hörspiele…

…sind ein Teil davon. Sie werden allein für Ihr Ohr und Ihr Innenleben produziert und arbeiten mit gezielten und klugen Mitteln, weil Hörspielschaffende sehr genau darum wissen, wie dieser Mechanismus zwischen Ohr, Gehirn und Seele funktioniert. Finden Sie das unter diesen Gesichtspunkten nicht auch einmal mehr bemerkenswert?

Um dieses faszinierende Zusammenspiel aber abschließend auf pure rein visuelle Information herunterzubrechen, hier ein paar

Zahlen, Daten und Fakten:

Unser Hörsinn ist ein Multitalent.
Ein gesundes Gehör nimmt tiefeTöne (Kontrabass, Straßenverkehr) und hohe Töne (Geige, Vogelgezwitscher) wahr. Physikalisch ausgedrückt: Frequenzen zwischen 20 und etwa 20.000 Hertz. Es kann außerdem sehr leise Geräusche (Summen einer Mücke) bis sehr laute Geräusche (Start eines Düsenjets) verarbeiten.
Das heißt Lautstärken von 0 bis über 120 Dezibel.
Sprache verstehen
Unser Hörsinn ist Spezialist in Sachen Sprache, die er in all ihren Facetten und in jeder Situation
besonders gut wahrnimmt. Ob im Café, am Telefon oder bei einem Vortrag — unser Hörsinn blendet aus einer Flut von Tönen Unwichtiges aus und hebt Wichtiges hervor. Dadurch können wir z. B. einem Instrument im Orchester folgen oder uns in lauter Umgebung auf eine Person konzentrieren.
Räumliches Hören
Unsere Ohren hören 360° — in jedem Winkel um den Kopf herum. Sie unterscheiden vorne und hinten, oben und unten. Dadurch erkennen wir, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt, wie groß ein umgebender Raum ist und ob ein Hindernis in der Nähe ist.

 

Advertisements

Tag 13 – Massenpaniken, ausgelöst durch ein Hörspiel?

Jetzt frage ich Sie mal, welches Hörspiel das wohl berühmteste überhaupt ist! Sie werden sich kaum selbst daran erinnern, was Orson Welles da seinerzeit ausgelöst hat, als er mit „Krieg der Welten“ von H. G. Wells ein so realistisch wirkendes Hörspiel über den Äther schickte, dass er damit im New York der späten 30er Jahre des 20. Jahrhunderts Massenpaniken entfesselte.

Wenn Ihnen auch heute noch jemand im Autoradio glaubhaft und im gewohnten Ton eines Nachrichtensprechers erzählt, Außerirdische seien auf der Erde gelandet, wird Ihnen auch der Atem stocken und Ihre Gedanken spielen Achterbahn. Wetten?

Krieg der Welten / Quelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/38122-Krieg-der-Welten/bilder/?cmediafile=18889555

Krieg der Welten – Orson Welles und die Wirkung seines Hörspiels

Da sehen Sie mal, welche Macht diese Gattung bisweilen innehat! Selbst 2010 konnte das Stück noch einmal Teile der Hamburger Bevölkerung dazu bringen, besorgt bei der Polizei anzurufen, nachdem dieses legendäre Hörspiel leicht überarbeitet und auf Hamburger Schauplätze gemünzt, erneut im Rundfunk gesendet wurde.

Indem ich Ihnen nun heute dieses Hörspiel näher bringe, fange ich jetzt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, weil „Krieg der Welten“

a) ein Hörspiel für Erwachsene ist (nach den vergangenen beiden kinderlastigen Artikeln) und

Orson Welles / Quelle: http://www.thinkmcflythink.com/movie-news/2012/3/31/orson-welles-final-tv-interview.html
b) Orson Welles‘ offenbar gelungene Umsetzung nicht nur für die Hörspiel-Geschichte bedeutend ist, sondern auch noch einmal mehr beweist, dass Sie keine Filme und keine Mattscheibe brauchen, um jedes einzelne Bild in Ihrem Kopf zu erzeugen – und diese suggestive Kraft wird „nur“ mittels Geräusche, Töne und Stimmen entfesselt, was eine so enorme psychologische Wirkung erzielen kann, dass Ihnen wirklich jede Empfindung entlockt wird, zu der Menschen in der Lage sind.

Um in die Geschichte dieses Hörspiels noch etwas näher einzusteigen, zitiere ich dazu auch heute wieder aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel, der sich mit der Wirkung des Hörspiels durchaus kritisch auseinandersetzt. Nichtsdestotrotz, was auch immer Welles mit „Krieg der Welten“ ausgelöst haben sollte, bleibt sein Hörspiel doch auf ewig Legende und hat eine Menge kostenloser PR genossen:

Der Krieg der Welten (engl. Originaltitel: The War of the Worlds) ist eines der bekanntesten und bedeutendsten Werke von H. G. Wells. Das Buch wurde 1898 veröffentlicht, die deutsche Übersetzung von Gottlieb August Crüwell erschien 1901. Berühmt wurde Krieg der Welten als Hörspiel (1938) und in mehreren Verfilmungen (zuerst 1953).

Das Hörspiel führte Zeitungsberichten zufolge zu heftigen Irritationen bei der Bevölkerung von New York und New Jersey, die teilweise das Hörspiel für eine authentische Reportage hielt und einen tatsächlichen Angriff Außerirdischer befürchtete. Dies lag daran, dass Welles eine neue Art der Einspielung benutzte: Er nahm das Hörspiel am Tag vorher auf und ließ es dann mit Musik unterlegen. Dadurch wirkten die Aufnahmen wie das normale Radioprogramm, in dem der Moderator ab und zu unterbricht, um die neusten Nachrichten zur Invasion zu verbreiten. Die Berichterstattung über diese Vorfälle machte die Sendung und damit auch den jungen Orson Welles weltberühmt. Einige Beschreibungen einer landesweiten Massenpanik sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die jüngere kommunikationswissenschaftliche Forschungsliteratur stellen die allzu gerne geäußerte kopflose Hysterie in Frage. Heute wird davon ausgegangen, dass sie eine Erfindung der Tagespresse war, hinter der zum einen Sensationsgier gesteckt haben mag, zum anderen die Absicht, das Konkurrenzmedium Radio als verantwortungslos zu brandmarken. Gegen die vor allem von der Boulevardzeitung New York Daily News verbreitete Darstellung einer Massenpanik spricht auch, dass Welles‘ Programm einer zur Zeit der Ausstrahlung durchgeführten telefonischen Erhebung zufolge eine Einschaltquote von gerade einmal 2 Prozent erreichte. Allenfalls einige wenige dieser Zuhörer sollen auf das Hörspiel hereingefallen sein, das Anrufaufkommen im Sender CBS war lediglich etwas höher als sonst, Berichte über Suizide oder auch nur die Behandlung von Schockpatienten ließen sich nicht verifizieren. Neben den sensationalistischen Presseberichten ist für die Legende von der Massenpanik eine 1940 veröffentlichte Studie des Demoskopen Hadley Cantril verantwortlich, die zahlreiche methodische Fehler aufweist.[1]

Immerhin müssen die Berichte über die Wirkungen des Hörspiels so eindrucksvoll und weitreichend gewesen sein, dass sich selbst Adolf Hitler in seiner Reichstagsrede vom 28. April 1939 darauf bezog, indem er ausführte: „Der Grund für diese Furcht [vor Kriegen] liegt ausschließlich in einer ungezügelten, ebenso verlogenen wie niederträchtigen Pressehetze, in der Verbreitung übelster Pamphlete über fremde Staatsoberhäupter, in der künstlichen Panikmache, die am Ende so weit führt, daß selbst Interventionen von Planeten für möglich gehalten werden und zu heillosen Schreckensszenen führen“.

Orson Welles und sein Drehbuchautor Howard Koch nutzten das Spektakel als Karrierechance. Welles gab später zu Protokoll, er habe nicht mit dem Erfolg des Hörspiels gerechnet und daher den Bezug zu Halloween hergestellt, um wenigstens irgendwie aufzufallen.

Howard Koch, der schon 1938 das Drehbuch für das Hörspiel geschrieben hatte, bearbeitete auch 1975 das Sujet für den dokumentarischen Spielfilm The Night That Panicked America, der die Radiosendung und die Reaktionen in der Öffentlichkeit beschreibt.

Im vergangenen Jahr hat das Hörspiel übrigens sein 75. Jubiläum gefeiert und war der ZEIT nicht nur einen interessanten Beitrag wert, Sie können das Hörspiel sogar – in den Artikel eingepflegt – hören!

Einmal mehr viel Spaß dabei!

Tag 12 – Mein Beinchen, mein Beinchen…

Na? Aus welchem hinreißenden Hörspiel ist dieser Satz? Erkennen Sie diesen Ausruf wieder und kommen dabei sofort ebenso ins Schwelgen wie ich?

Ein Klassiker unter den Kinder-Hörspielen

Gut, gestern habe ich noch zu Hörspielen für Erwachsene aufgerufen und darauf komme ich natürlich auch wieder zurück. Allerdings kam mir gestern schlagartig in den Sinn, dass ich nicht viel jünger war als damals bei meinem „Seide“-nen Erlebnis, als mein damaliger Freund überglücklich eine Schallplatte aus einer Kiste zog, die aus einer Haushaltsauflösung stammte. Seine Augen leuchteten dabei und kaum hatte er die alte Schallplatte aus dem freundlich illustrierten, bereits reichlich abgestoßenen Cover gezogen und auf den Plattenteller gelegt, begann er auch sofort glücklich damit, sie knisternd abzuspielen. Die zehn Jahre, die er mir voraus war – die gleiche Platte hatte er  bereits in den späten 60ern als Kind gehört  – waren sofort wie weggeblasen. Wir lagen in den kommenden gut 48 Minuten einfach nur noch da – ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen, die mit Riesenohren und einem breiten Lächeln im Gesicht Herrn Sumsemann, Peter und Anneliese lauschten…und lauschten…

Quelle: http://www.mp3-musik.ch/index.html?d_1972_Peterchens_Mondfahrt9911.htm
Quelle: http://www.mp3-musik.ch/index.html?d_1972_Peterchens_Mondfahrt9911.htmPeterchens Mondfahrt

Sie werden bereits ahnen, dass ich hier über Peterchens Mondfahrt schreibe und dabei jene Version meine, die 1964 unter der Regie von Benno Schurr für Ariola entstand ist. Das Hörspiel ist jedenfalls so über die Maßen zauberhaft und liebevoll umgesetzt, dass das Hören dieses wunderschönen Märchens eine einzige Freude ist. Und auch Wikipedia hat zu Peterchens Mondfahrt natürlich wieder einiges beizutragen, das ich Ihnen gern ein Mal mehr mundgerecht kredenze:

Peterchens Mondfahrt ist ein Märchen für Kinder von Gerdt von Bassewitz. Es handelt von den Abenteuern des Maikäfers Herr Sumsemann, der zusammen mit den Menschenkindern Peter und Anneliese zum Mond fliegt, um von dort sein verlorengegangenes sechstes Beinchen zu holen.

Am 7. Dezember 1912 wurde Peterchens Mondfahrt als Märchenspiel in sechs Bildern mit Musik von Josef Achtélik und „in Scene gesetzt“ von Paul Prina im Alten Theater Leipzig uraufgeführt. Lange galten die Noten als verschollen, bis der Enkel von Josef Achtélik diese auf einem alten Speicher wiederentdeckte und sie zum 100. Jubiläum der Geschichte 2012 dem MDR Kinderchor für eine Aufführung überreichte.[1] 1915 wurde das Märchen dann als Buch mit Illustrationen von Hans Baluschek veröffentlicht. Es gilt heute als ein Klassiker der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.

Als Vorbild für die Geschwister Peter und Anneliese sollen die gleichnamigen Kinder des Ärzteehepaars Eva und Oskar Kohnstamm gedient haben, in deren Sanatorium sich Bassewitz im Jahre 1911 zur Kur aufhielt.[2]

Und zum Hörspiel heißt es:

Diese Schallplatteneinrichtung der Bühnenfassung von Benno Schurr wurde mit Sprechern wie Irene Marwitz, Antje Hagen, Hans Timmerding und Kurt Ebbinghaus realisiert. Sie erschien nach ihrer Erstauflage bei Ariola im Jahr 1964 jahrzehntelang in den unterschiedlichsten Ausgaben auf Tonträgern und blieb bis ins CD-Zeitalter hinein die einzige kommerziell erhältliche Hör-Produktion der Geschichte. Sie verwendet die Original-Bühnenmusik von Clemens Schmalstich musikalisch bearbeitet von Max Roth.

Hören Sie unbedingt mal rein!

Peterchens Mondfahrt in besagter Hörspielfassung aus dem Jahr 1964 habe ich gestern bei meinen Recherchen doch glatt in mehreren Teilen bei Youtube entdeckt. Wenn Sie also richtig abschalten und sich eine Freude machen wollen, dann lassen Sie sich einfach in dieses wunderschöne Hörspiel sinken.

Viel Vergnügen beim Hören und bis morgen!

 

Tag 11 – Hörspiele für Kinder

Hörspiel-Erinnerungen, die Zweite

Nachdem ich Ihnen ja nun gestern von meiner ersten leidenschaftlichen Hörspiel-Erinnerung aus den noch sehr jungen Tagen meines Erwachsenendaseins erzählt habe, schweiften meine Gedanken heute noch ein wenig weiter zurück in meine Vergangenheit und ich musste an Michael Zinn denken – den blonden Jungen, der mit meinem damals „ersten Freund“ Ingo-Chr. zusammensaß (*-Chr. sollte dabei für Christoph stehen, was aber aufgrund der Schreibweise schlicht nach kkrrrrrr klang. Ja, was soll ich sagen – er hat sich als 8-jähriger eben so geschrieben und war – aus welchem Grund auch immer – mächtig stolz auf seinen Bindestrich?!).

Jedenfalls saß Michael Zinn in der Grundschule mit Ingo-Chr. zusammen und hat mir immer seine Hörspiele geliehen – und davon hatte er zu meiner Freude auch eine Riesensammlung. Nachdem wir drei dann aber bald sogar eine 4er-Tischgruppe bildeten, also Michael, Ingo-Chr. und ich (ich glaube, der Vierte im Bunde war der zarte russischstämmige und hochintelligente Georg, der heute bestimmt Schachweltmeister oder so was ist), tauschten wir immer häufiger Hörspiele aus, wobei ich leider nicht viel zu den Tauschaktionen beitragen konnte, weil wir zu Hause nicht viel Geld hatten. Aber was meinen Sie, wie schnell ich immer von der Schule nach Hause lief, um die Kassetten in meinen Rekorder zu legen und einfach nur zu lauschen, was ich Neues von Michael oder Ingo-Chr. bekommen hatte?!

Illustration von Ludwig Emil Grimm zu Brüderchen und Schwesterchen als Frontispiz zum Ersten Band der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen in der zweiten Ausgabe von 1819 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCderchen_und_Schwesterchen
Illustration von Ludwig Emil Grimm zu Brüderchen und Schwesterchen als Frontispiz zum Ersten Band der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen in der zweiten Ausgabe von 1819
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCderchen_und_Schwesterchen

Damals war ja „TKKG“ wahnsinnig in. Und „Die drei Freunde“ hörte ich auch sehr gern. Die „3 ???“ waren derweil auch nett,  am liebsten jedoch hatte ich Märchen, die als Hörspiele für mich überhaupt das Allergrößte waren. Meine lebhafteste Erinnerung an ein solches Märchen geht zurück auf ein Hörspiel von „Brüderchen und Schwesterchen“, weil mich die schöne traurige Stimme der „toten“ Königin mächtig gegruselt hat: „Nun komme ich noch zwei Mal und dann nimmermehr…“. Huh, der Toneffekt, den man an ihre Stimme angelegt hatte, war wirklich herrlich schaurig und ich gruselte mich wie verrückt. Ich meine mich auch zu erinnern, dass eine alte Pendeluhr dazu die Stunde schlug. Einfach schön, wenn ich daran zurückdenke!

 

Hörspiele auf dem iPod oder in Podcasts

Manchmal führt eine Erinnerung gleich in die nächste Handlung. Nachdem ich nämlich an jede Schultage zurückgedacht hatte, ging ich im iTunes-Store meines iPhones mal auf Hörspiel-Suche. Zu meiner großen Freude fand ich auch gleich Dutzende davon, darunter sind allerdings vor allem Produktionen für Kinder zu finden. Aha, dachte ich, das schreit nach Erweiterung und Ergänzung. Kinder sind natürlich das beste und kritischste Publikum überhaupt – was nicht gefällt, wird gleich rigoros wieder ausgeschaltet.

Wir Erwachsene sind allerdings nicht minder leicht zufrieden zu stellen, und weil ich bei meiner Recherche auf dem iPhone feststellen musste, dass Hörspiele für die Generation 25+ und älter im Angebot eher dünn gesät zu finden sind, habe ich einmal mehr allen Grund laut

ICH WILL MEHR HÖRSPIEL!

auszurufen….

…was mich auch schon auf das morgige Thema bringt. Aber mehr verrate ich noch nicht. Einen schönen Abend Ihnen!

 

 

Tag 10 – ICH WILL MEHR HÖRSPIEL! jetzt auch bei Google

HALLO GOOGLE!

ICH WILL MEHR HÖRSPIEL bei GoogleGerade habe ich eine Pause gemacht, driftete dabei in Gedanken so vor mich hin und kam plötzlich auf die Frage, ob ICH WILL MEHR HÖRSPIEL! denn inzwischen überhaupt gegoogelt werden kann. Und siehe da – Tag 1 mit dem ERSTEN Beitrag ist auf der ERSTEN Seite gelistet! Wenn das nicht ein Grund zum Feiern ist?! Immerhin habe ich genug Zeit damit verbracht, herauszufinden, wie man diesen Blog hier suchmaschinenoptimiert. – War offenbar ein voller Erfolg! Ha! – Bin ich gut? – Ein Schlückchen Prosecco steht noch im Kühlschrank und ich denke, damit werde ich Ihnen hier gleich mal zuprosten: Auf ICH WILL MEHR HÖRSPIEL, Leute! Chin Chin!

 

Mein erstes Hörspiel-Mal im Freien

Nachdem Sie sich ja trotz der Hitze sehr bedeckt gehalten haben in Fragen Ihrer geheimsten und schönsten Hörspielmomente, will ich dennoch nicht so sein und mache eben doch mal den Anfang. Von nichts kommt schließlich nichts, und ich kann Ihnen da ja auch nachfühlen. Bei dieser Bullenhitze hatte ich in den vergangenen beiden Tagen auch keine Lust, mich geistig zu bemüßigen oder gar das Notebook hochzufahren.

Beim ersten Mal, als ich ein Hörspiel jedenfalls wieder ganz sinnlich erlebt habe, lag ich, damals Mitte 20, am Ufer des Bodensees und hatte „Seide“ im Ohr. Dazu muss ich gestehen, dass zwischen diesem Erlebnis und meinem letzten Kinderhörspiel immerhin auch schon 15 Jahre lagen.

„Seide“ ist ein wahrer Hörspiel-Genuss und hat mich seinerzeit trotz langjähriger Hörspiel-Abstinenz wieder in einen förmlichen Hörspiel-Bann gezogen, der bis heute anhält – zumal diese Produktion zu all jenen Hörspielen zählt, die ganz großes Kino fürs Ohr sind. Und den Titel können Sie auch sprichwörtlich nehmen.

Den Kies unter meiner Strandmatte, der mich anfangs noch störte, habe ich bald gar nicht mehr gespürt. Vor mir nur der stille See, über mir der Sommerhimmel und in meinem Kopf etwas, das sich absolut phantastisch zu den Stimmen, Klängen, Tönen und der Atmosphäre formte. Martin Feifel und Jeanette Hain haben dieses Hörspiel stimmlich auf einen solchen Höhepunkt getragen, dass ich noch heute eine Gänsehaut davon bekomme und damals sogar das fragliche Kapitel wieder und wieder hören „musste“. Ich fürchte, die CD hat längst einen Leseschaden an der betreffenden Stelle…

Eine leise Liebesgeschichte voll unerfüllter Sehnsucht Als 1861 eine Epidemie die Seidenraupenzucht in Europa und Afrika lahmlegt, soll Hervé Joncourt die kostbaren Tiere im fernenJapanbesorgen. DieReiseverändert sein Leben, denn am Hof des Edlen Hara Kai begegnet er einer rätselhaften Schönheit. Jahr für Jahr zieht ihn die Sehnsucht zurück nach Japan. Ahnt seine ihn liebende Frau Hélène wirklich nichts davon? Alessandro Bariccos seidenzartes Meisterwerk wurde in rund 30 Sprachen übersetzt und stürmte die internationalen Bestsellerlisten. Allein in Deutschland wurde es über 300 000 mal verkauft. Der preisgekrönte Filmemacher Jobst Christian Oetzmann überzeugt jetzt mit einer farbigen, sinnenfrohen und sehr filmischen Hörspiel-Inszenierung – nicht zuletzt dank der eindringlich-zurückhaltenden Stimme von Jeanette Hain (Foto) als Erzählerin und der Musik des mehrfach ausgezeichneten Filmkomponisten Dieter Schleip. „In dieser wunderbar leichten und zugleich melancholischen Liebesgeschichte stimmt jedes Wort, hat jede Geste Sinn und Bedeutung.“ Brigitte

Jetzt neu: Der Longseller als „Kino für die Ohren“

Mit „Seide“ schrieb sich Alessandro Baricco in die Herzen der Leser. Der Erfolgsroman erzählt die Geschichte des Seidenhändlers Joncourt, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Japan reist. In dieser fremden Welt trifft er auf eine rätselhafte Schöne. Jahr für Jahr treibt es ihn nun nach Japan, weg aus Südfrankreich und fort von seiner Frau. Erst lange Zeit später begreift Joncourt, daß hinter seinem japanischen Geheimnis ein zweites, viel größeres verborgen war.
Nun gibt es den Roman, der das Herz so schwer und doch so leicht macht, als Hörspiel von filmischer Dimension. Jobst Oetzmann, preisgekrönter Filmemacher, nimmt uns mit auf eine Reise zwischen Asien und Europa, Liebe und Verrat: „Seide“ zum Hören ist ein akustisches Stück Sehnsucht voll sinnlicher Exotik.

(Quelle: http://www.buecher.de/shop/romane–erzaehlungen/seide-1-audio-cd/baricco-alessandro/products_products/detail/prod_id/12393737/)

 

Hörspiel-Empfehlungen in spe

Dass ich Ihnen nun davon schreibe, bringt mich auf die Idee, Ihnen ab sofort regelmäßig immer mal ein Hörspiel vorzustellen und zu empfehlen. Mit „Seide“ von Alessandro Baricco finden Sie aber schon mal den perfekten Einstieg.

Sollten Sie ebenfalls mit eigenen Empfehlungen aufwarten wollen, dann nur zu! Ich bleibe unverändert neugierig auf Ihre Beiträge!

 

Tag 9 – Hörspiele heiß wie die aktuellen Außentemperaturen

Sengend heiße Hörspiele

Mit wäre ja jetzt nach einem eiskalten Hörspiel – hören Sie, wie gerade eine Flasche von einem eiskalten Killer entkront wird, der dann einen hörbaren Schluck nimmt, ehe er mit ruhiger Hand zum Schuss anlegt? „Aaaah!“ – Die Kohlensäure ist aus der Flasche entwichen, es hat laut dabei gezischt. Dann folgte das Geräusch von sprudelndem, klaren Wasser, das in ein Glas stürzte. Ersetzen Sie das Wort Wasser auch gern durch Ihr Lieblingsgetränk, Hauptsache Sie behalten nach dessen Genuss noch eine ruhige Hand. Und bitte on the rocks (gut, außer bei Bier oder Champagner), damit die Eiswürfel im Glas so richtig schön klirren und knacken.

Andererseitsr wäre mir gerade auch durchaus nach einerm Hörspiel, das so heiß ist wie das Straßenpflaster hier in Berlin, um mir eine Gänsehaut zu verursachen. Noch mal „aaaah!“. Nicht wundern, was ich heute schon wieder schreibe. Das kommt vom Klima hier, also sehen Sie mir meine Zweideutigkeiten nach. Es ist einfach heiß! Fehlt nur noch, dass die Palmen hier zu sprießen beginnen.

Das bringt mich aber dennoch auf den Hinweis eines Kommentators hier im Blog, der dazu anregte, mal bei Hörspielproduzenten anzuklopfen und zu fragen, ob sie nicht prickelnde Stoffe zu populären Hörspielen machen könnten, die nur was für uns „Große“ sind. Sie verstehen schon. Klar, jeder hat da so seine eigenen Vorlieben, und wenn man das Angebot bereits produzierter Hörspiele kennt, dann weiß man, dass es da schon auch mal ziemlich heiß hergehen kann.

Immerhin, die Qualität mir bekannter Hörspiele lässt nichts zu wünschen übrig und eines muss ich doch mal feststellen: was im Hörspielbereich so alles entsteht, ist wirklich großes Lob wert – sonst würde ich mir ja nicht regelmäßiger und mehr davon wünschen. Das ist, neben den hier erwähnten Gründen i. Ü. auch das erklärte Ziel, das ich im Namen von ICH WILL MEHR HÖRSPIEL auch noch mal ganz klar zum Wochenabschluss herausstellen möchte.

 

Hörspiel-Wunschprogramm?

Aber zurück zum obigen Gedanken: Frage ich Sie doch heute mal wieder nach Ihrem Dafürhalten! Welche Stoffe, Bücher oder Geschichten würden Sie eigentlich liebend gern mal als Hörspiel erleben? Kramen Sie ruhig mal in Ihren Regalen. War da nicht dieses tolle Buch, das auch ein hinreißendes Hörspiel werden könnte?

Interessant ist die Frage ja schon, ob gezielt gewählte Stoffe zu einer Hörspiel-Trendwende beitragen könnten, würden oder sollten. wenn Sie wählen dürften.

Ich gehe an dieser Stelle auch gern noch einen Schritt weiter, indem ich Sie dazu aufrufe, mir Ihre geheimsten, aufregendsten und schönsten Hörspielmomente zu verraten. Trauen Sie sich, dann verrate ich Ihnen nämlich auch mehr. Aber nur dann. Ätsch!

 

Ein leises Servus zum Abschied dieser Hörspiel-Woche

Es wird Zeit, das Wochenende naht mit Riesenschritten und auch ich mache hier jetzt allmählich mal die Schotten dicht; allerdings nicht, ohne Ihnen nicht noch den Wunsch mit auf den Weg zu geben, dieses hochsommerliche Treiben richtig genießen zu können. Legen Sie also die Füße hoch, trinken Sie was Kaltes und machen Sie sich ein paar heiße Gedanken zu dieser Woche hier in Ihrem Hörspiel-Blog!

Bis Montag also in alter Frische!

 

 

Tag 8 – Woher kommt die Gattung Hörspiel eigentlich?

Na? Haben Sie sich schon ein paar Gedanken gemacht zu meinen gestrigen Fragen?

Es gibt ja diesen frivolen Satz:

wo ein Wille, da ein ….genau, Radio!

Na na na! Und weil das so ist und wir ja in einem sehr mobilen Zeitalter leben, findet sich immer Gelegenheit, seine Zeit sinnvoll mit Hörspielen und Features zu verbringen und mit ihnen, aus Ihrem Weltempfänger rauschend, von der Küche ins Wohnzimmer umzuziehen oder mit Ihrem iPod – glasklar zu vernehmen – von Timbuktu nach Berlin.

 

Die Geschichte des Hörspiels

Aber dazu alsbald noch mal mehr. Heute habe ich mich ja etwas eingehender mit der Frage auseinandergesetzt, wie es eigentlich dazu kam, dass seinerzeit Hörspiele und Features entstanden sind. Ehe das Fernsehen in jedem Haushalt Einzug fand, war ein Rundfunkempfänger ja DAS Medium schlechthin und bot eine Menge Freude und Zerstreuung – eben und vor allem auch mit Hörspielen.

Dank Wikipedia und dank Copy und Paste hier ein kleiner Auszug aus dem Beitrag, den ich dazu gefunden habe:

Die Entwicklung des Hörspiels (anfangs noch Sendespiel genannt) ist eng mit der Geschichte von Theater und Film verbunden, zu denen es bis heute in Konkurrenz steht.

Die deutsche Hörspielgeschichte reicht bis in das Jahr 1918 zurück. Damals begann man bei der Firma Telefunken mit Bearbeitungen von Theaterstücken für die Ausstrahlung per Funk. 1923 inszenierte F. A. Tiburtius in den Experimentalstudios von Telefunken das erste richtige Hörspiel nach heutigen Maßstäben. Es hatte den Titel „Anke“. Gesendet wurde es jedoch nie. Die ersten im deutschen Radio ausgestrahlten Hörspiele waren „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch (am 24. Oktober 1924 in Frankfurt am Main über die Welle 467) und „Spuk“ von Rolf Gunold (1925 über einen Breslauer Sender).[2]

Anfang der 1930er Jahre waren Hörspiele im Rundfunk so beliebt, dass die BBC Leitfäden für deren Produktion aufstellte, etwa für den Einsatz von Soundeffekten:

„Geräusche sollten eher die Stimmung [eines Hörspiels] unterstreichen, als die Szene bebildern. Angenommen, man hat einen Dialog wie diesen: Noch ein Glas Portwein?Gern.Edler Tropfen!, dann ist es doch offensichtlich, was passiert, dass zwei Leute Portwein trinken, und unnötig und vermutlich ziemlich lächerlich, den Dialog mit Klängen klirrender Gläser und dem Einschütten von Flüssigkeit zu illustrieren. […] Man sollte in der Tat ein Schauspiel für den Rundfunk als symphonische Form verstehen, bei der das gesprochene Wort nur ein Faden in einem aus Klang gewobenen Stoff darstellt.“[3]

Am 30. Oktober 1938 sorgte die Ursendung von Krieg der Welten nach H. G. Wells in New York für Aufsehen. Zahlreiche beunruhigte Bürger meldeten sich bei der Polizei in Besorgnis um einen vermeintlichen Marsangriff.

In Westdeutschland erlebte das Hörspiel zwischen 1945 und 1960 einen regelrechten Boom, der sich in jährlich 500 gesendeten und insgesamt 160 abgedruckten Hörspielen niederschlug. Diese Tatsache war vor allem den äußeren Umständen im Nachkriegsdeutschland geschuldet, in dem der Großteil der Theater und Kinos noch zerstört waren.[4]

In den 1950er Jahren und zum Teil auch in den 1960er Jahren herrschte typischerweise das sogenannte Hörspiel der Innerlichkeit vor, das sich durch Geräuscharmut auszeichnete. Das Primat lag also auf der Sprache, weshalb es auch als „Worthörspiel“ bezeichnet wird – die Illustration durch klangliche Effekte oder eine Geräuschkulisse wurde minimiert und überwiegend nur als sogenannte „key sounds“, Geräusche mit symbolhafter Bedeutung, akzeptiert. Dies fördert die Suggestion einer inneren Welt (z. B. Erinnerungen) beim Rezipienten, was die Funktion einer Vergangenheitsbewältigung – die in der Nachkriegszeit eine große Rolle einnahm – potenziell unterstützen kann. Aus technischen Gründen wurde deshalb der Schnitt, der damals häufig noch als hörbare Markierung wahrgenommen werden musste, vermieden. „Weil der Schnitt stets auf das Magnettonband verweist, auf dem das Hörspiel aufgenommen ist, insistierte er auf die Materialität des akustischen Signifikanten, anstatt ihn zugunsten der Produktion eines imaginären Signifikats zu verdrängen.“[5]Bernhard Siegert konstatiert also für das Hörspiel nach 1945 vor allem das Charakteristikum der Abwesenheit des Mediums Radio in den über das Radio gesendeten Hörspielen. Er nennt dieses Phänomen „negative Radioästhetik“.[6]

Ein bedeutender Vertreter des „Worthörspiels“ ist Günter Eich. Siegert unterstellt Eich ein bewusst geäußertes Statement für das Worthörspiel, wenn er am Anfang seines Hörspiels Das Jahr Lazertis den Protagonisten Paul sagen lässt:

„Ich fuhr empor, als ich das Wort vernahm. Jemand, der an meinem Fenster vorüberging, mußte es ausgesprochen haben, im Gespräch und nebenbei, obwohl es das Wort war, das alle Geheimnisse löste. Für seine Dauer war die Welt verwandelt und begriffen, aber im gleichen Hauch war es auch wieder vergessen“

Günter Eich[7]

Ein historisches Nachschlagewerk ist Reclams Hörspielführer von 1969. Über die aktuelle Entwicklung im Bereich Radiokunst informierte von 1996 bis 2009 der monatliche Hörspielkalender des Deutschlandfunks.

Sie sehen, Hörspiele haben eine lange und bewegte Tradition. Am liebsten lese ich in diesem Beitrag ja den Abschnitt über die Zeit des Hörspiel-Booms und kann nur dazu aufrufen, diesen Trend wiederaufleben zu lassen.

Inzwischen wissen Sie ja, warum…

Gruß und Kuss aus Berlin und bis morgen!