Tag 8 – Woher kommt die Gattung Hörspiel eigentlich?

Na? Haben Sie sich schon ein paar Gedanken gemacht zu meinen gestrigen Fragen?

Es gibt ja diesen frivolen Satz:

wo ein Wille, da ein ….genau, Radio!

Na na na! Und weil das so ist und wir ja in einem sehr mobilen Zeitalter leben, findet sich immer Gelegenheit, seine Zeit sinnvoll mit Hörspielen und Features zu verbringen und mit ihnen, aus Ihrem Weltempfänger rauschend, von der Küche ins Wohnzimmer umzuziehen oder mit Ihrem iPod – glasklar zu vernehmen – von Timbuktu nach Berlin.

 

Die Geschichte des Hörspiels

Aber dazu alsbald noch mal mehr. Heute habe ich mich ja etwas eingehender mit der Frage auseinandergesetzt, wie es eigentlich dazu kam, dass seinerzeit Hörspiele und Features entstanden sind. Ehe das Fernsehen in jedem Haushalt Einzug fand, war ein Rundfunkempfänger ja DAS Medium schlechthin und bot eine Menge Freude und Zerstreuung – eben und vor allem auch mit Hörspielen.

Dank Wikipedia und dank Copy und Paste hier ein kleiner Auszug aus dem Beitrag, den ich dazu gefunden habe:

Die Entwicklung des Hörspiels (anfangs noch Sendespiel genannt) ist eng mit der Geschichte von Theater und Film verbunden, zu denen es bis heute in Konkurrenz steht.

Die deutsche Hörspielgeschichte reicht bis in das Jahr 1918 zurück. Damals begann man bei der Firma Telefunken mit Bearbeitungen von Theaterstücken für die Ausstrahlung per Funk. 1923 inszenierte F. A. Tiburtius in den Experimentalstudios von Telefunken das erste richtige Hörspiel nach heutigen Maßstäben. Es hatte den Titel „Anke“. Gesendet wurde es jedoch nie. Die ersten im deutschen Radio ausgestrahlten Hörspiele waren „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch (am 24. Oktober 1924 in Frankfurt am Main über die Welle 467) und „Spuk“ von Rolf Gunold (1925 über einen Breslauer Sender).[2]

Anfang der 1930er Jahre waren Hörspiele im Rundfunk so beliebt, dass die BBC Leitfäden für deren Produktion aufstellte, etwa für den Einsatz von Soundeffekten:

„Geräusche sollten eher die Stimmung [eines Hörspiels] unterstreichen, als die Szene bebildern. Angenommen, man hat einen Dialog wie diesen: Noch ein Glas Portwein?Gern.Edler Tropfen!, dann ist es doch offensichtlich, was passiert, dass zwei Leute Portwein trinken, und unnötig und vermutlich ziemlich lächerlich, den Dialog mit Klängen klirrender Gläser und dem Einschütten von Flüssigkeit zu illustrieren. […] Man sollte in der Tat ein Schauspiel für den Rundfunk als symphonische Form verstehen, bei der das gesprochene Wort nur ein Faden in einem aus Klang gewobenen Stoff darstellt.“[3]

Am 30. Oktober 1938 sorgte die Ursendung von Krieg der Welten nach H. G. Wells in New York für Aufsehen. Zahlreiche beunruhigte Bürger meldeten sich bei der Polizei in Besorgnis um einen vermeintlichen Marsangriff.

In Westdeutschland erlebte das Hörspiel zwischen 1945 und 1960 einen regelrechten Boom, der sich in jährlich 500 gesendeten und insgesamt 160 abgedruckten Hörspielen niederschlug. Diese Tatsache war vor allem den äußeren Umständen im Nachkriegsdeutschland geschuldet, in dem der Großteil der Theater und Kinos noch zerstört waren.[4]

In den 1950er Jahren und zum Teil auch in den 1960er Jahren herrschte typischerweise das sogenannte Hörspiel der Innerlichkeit vor, das sich durch Geräuscharmut auszeichnete. Das Primat lag also auf der Sprache, weshalb es auch als „Worthörspiel“ bezeichnet wird – die Illustration durch klangliche Effekte oder eine Geräuschkulisse wurde minimiert und überwiegend nur als sogenannte „key sounds“, Geräusche mit symbolhafter Bedeutung, akzeptiert. Dies fördert die Suggestion einer inneren Welt (z. B. Erinnerungen) beim Rezipienten, was die Funktion einer Vergangenheitsbewältigung – die in der Nachkriegszeit eine große Rolle einnahm – potenziell unterstützen kann. Aus technischen Gründen wurde deshalb der Schnitt, der damals häufig noch als hörbare Markierung wahrgenommen werden musste, vermieden. „Weil der Schnitt stets auf das Magnettonband verweist, auf dem das Hörspiel aufgenommen ist, insistierte er auf die Materialität des akustischen Signifikanten, anstatt ihn zugunsten der Produktion eines imaginären Signifikats zu verdrängen.“[5]Bernhard Siegert konstatiert also für das Hörspiel nach 1945 vor allem das Charakteristikum der Abwesenheit des Mediums Radio in den über das Radio gesendeten Hörspielen. Er nennt dieses Phänomen „negative Radioästhetik“.[6]

Ein bedeutender Vertreter des „Worthörspiels“ ist Günter Eich. Siegert unterstellt Eich ein bewusst geäußertes Statement für das Worthörspiel, wenn er am Anfang seines Hörspiels Das Jahr Lazertis den Protagonisten Paul sagen lässt:

„Ich fuhr empor, als ich das Wort vernahm. Jemand, der an meinem Fenster vorüberging, mußte es ausgesprochen haben, im Gespräch und nebenbei, obwohl es das Wort war, das alle Geheimnisse löste. Für seine Dauer war die Welt verwandelt und begriffen, aber im gleichen Hauch war es auch wieder vergessen“

Günter Eich[7]

Ein historisches Nachschlagewerk ist Reclams Hörspielführer von 1969. Über die aktuelle Entwicklung im Bereich Radiokunst informierte von 1996 bis 2009 der monatliche Hörspielkalender des Deutschlandfunks.

Sie sehen, Hörspiele haben eine lange und bewegte Tradition. Am liebsten lese ich in diesem Beitrag ja den Abschnitt über die Zeit des Hörspiel-Booms und kann nur dazu aufrufen, diesen Trend wiederaufleben zu lassen.

Inzwischen wissen Sie ja, warum…

Gruß und Kuss aus Berlin und bis morgen!

 

 

Ich freue mich über Ihren Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s