Tag 13 – Massenpaniken, ausgelöst durch ein Hörspiel?

Jetzt frage ich Sie mal, welches Hörspiel das wohl berühmteste überhaupt ist! Sie werden sich kaum selbst daran erinnern, was Orson Welles da seinerzeit ausgelöst hat, als er mit „Krieg der Welten“ von H. G. Wells ein so realistisch wirkendes Hörspiel über den Äther schickte, dass er damit im New York der späten 30er Jahre des 20. Jahrhunderts Massenpaniken entfesselte.

Wenn Ihnen auch heute noch jemand im Autoradio glaubhaft und im gewohnten Ton eines Nachrichtensprechers erzählt, Außerirdische seien auf der Erde gelandet, wird Ihnen auch der Atem stocken und Ihre Gedanken spielen Achterbahn. Wetten?

Krieg der Welten / Quelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/38122-Krieg-der-Welten/bilder/?cmediafile=18889555

Krieg der Welten – Orson Welles und die Wirkung seines Hörspiels

Da sehen Sie mal, welche Macht diese Gattung bisweilen innehat! Selbst 2010 konnte das Stück noch einmal Teile der Hamburger Bevölkerung dazu bringen, besorgt bei der Polizei anzurufen, nachdem dieses legendäre Hörspiel leicht überarbeitet und auf Hamburger Schauplätze gemünzt, erneut im Rundfunk gesendet wurde.

Indem ich Ihnen nun heute dieses Hörspiel näher bringe, fange ich jetzt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, weil „Krieg der Welten“

a) ein Hörspiel für Erwachsene ist (nach den vergangenen beiden kinderlastigen Artikeln) und

Orson Welles / Quelle: http://www.thinkmcflythink.com/movie-news/2012/3/31/orson-welles-final-tv-interview.html
b) Orson Welles‘ offenbar gelungene Umsetzung nicht nur für die Hörspiel-Geschichte bedeutend ist, sondern auch noch einmal mehr beweist, dass Sie keine Filme und keine Mattscheibe brauchen, um jedes einzelne Bild in Ihrem Kopf zu erzeugen – und diese suggestive Kraft wird „nur“ mittels Geräusche, Töne und Stimmen entfesselt, was eine so enorme psychologische Wirkung erzielen kann, dass Ihnen wirklich jede Empfindung entlockt wird, zu der Menschen in der Lage sind.

Um in die Geschichte dieses Hörspiels noch etwas näher einzusteigen, zitiere ich dazu auch heute wieder aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel, der sich mit der Wirkung des Hörspiels durchaus kritisch auseinandersetzt. Nichtsdestotrotz, was auch immer Welles mit „Krieg der Welten“ ausgelöst haben sollte, bleibt sein Hörspiel doch auf ewig Legende und hat eine Menge kostenloser PR genossen:

Der Krieg der Welten (engl. Originaltitel: The War of the Worlds) ist eines der bekanntesten und bedeutendsten Werke von H. G. Wells. Das Buch wurde 1898 veröffentlicht, die deutsche Übersetzung von Gottlieb August Crüwell erschien 1901. Berühmt wurde Krieg der Welten als Hörspiel (1938) und in mehreren Verfilmungen (zuerst 1953).

Das Hörspiel führte Zeitungsberichten zufolge zu heftigen Irritationen bei der Bevölkerung von New York und New Jersey, die teilweise das Hörspiel für eine authentische Reportage hielt und einen tatsächlichen Angriff Außerirdischer befürchtete. Dies lag daran, dass Welles eine neue Art der Einspielung benutzte: Er nahm das Hörspiel am Tag vorher auf und ließ es dann mit Musik unterlegen. Dadurch wirkten die Aufnahmen wie das normale Radioprogramm, in dem der Moderator ab und zu unterbricht, um die neusten Nachrichten zur Invasion zu verbreiten. Die Berichterstattung über diese Vorfälle machte die Sendung und damit auch den jungen Orson Welles weltberühmt. Einige Beschreibungen einer landesweiten Massenpanik sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die jüngere kommunikationswissenschaftliche Forschungsliteratur stellen die allzu gerne geäußerte kopflose Hysterie in Frage. Heute wird davon ausgegangen, dass sie eine Erfindung der Tagespresse war, hinter der zum einen Sensationsgier gesteckt haben mag, zum anderen die Absicht, das Konkurrenzmedium Radio als verantwortungslos zu brandmarken. Gegen die vor allem von der Boulevardzeitung New York Daily News verbreitete Darstellung einer Massenpanik spricht auch, dass Welles‘ Programm einer zur Zeit der Ausstrahlung durchgeführten telefonischen Erhebung zufolge eine Einschaltquote von gerade einmal 2 Prozent erreichte. Allenfalls einige wenige dieser Zuhörer sollen auf das Hörspiel hereingefallen sein, das Anrufaufkommen im Sender CBS war lediglich etwas höher als sonst, Berichte über Suizide oder auch nur die Behandlung von Schockpatienten ließen sich nicht verifizieren. Neben den sensationalistischen Presseberichten ist für die Legende von der Massenpanik eine 1940 veröffentlichte Studie des Demoskopen Hadley Cantril verantwortlich, die zahlreiche methodische Fehler aufweist.[1]

Immerhin müssen die Berichte über die Wirkungen des Hörspiels so eindrucksvoll und weitreichend gewesen sein, dass sich selbst Adolf Hitler in seiner Reichstagsrede vom 28. April 1939 darauf bezog, indem er ausführte: „Der Grund für diese Furcht [vor Kriegen] liegt ausschließlich in einer ungezügelten, ebenso verlogenen wie niederträchtigen Pressehetze, in der Verbreitung übelster Pamphlete über fremde Staatsoberhäupter, in der künstlichen Panikmache, die am Ende so weit führt, daß selbst Interventionen von Planeten für möglich gehalten werden und zu heillosen Schreckensszenen führen“.

Orson Welles und sein Drehbuchautor Howard Koch nutzten das Spektakel als Karrierechance. Welles gab später zu Protokoll, er habe nicht mit dem Erfolg des Hörspiels gerechnet und daher den Bezug zu Halloween hergestellt, um wenigstens irgendwie aufzufallen.

Howard Koch, der schon 1938 das Drehbuch für das Hörspiel geschrieben hatte, bearbeitete auch 1975 das Sujet für den dokumentarischen Spielfilm The Night That Panicked America, der die Radiosendung und die Reaktionen in der Öffentlichkeit beschreibt.

Im vergangenen Jahr hat das Hörspiel übrigens sein 75. Jubiläum gefeiert und war der ZEIT nicht nur einen interessanten Beitrag wert, Sie können das Hörspiel sogar – in den Artikel eingepflegt – hören!

Einmal mehr viel Spaß dabei!

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