Tag 9 – Hörspiele heiß wie die aktuellen Außentemperaturen

Sengend heiße Hörspiele

Mit wäre ja jetzt nach einem eiskalten Hörspiel – hören Sie, wie gerade eine Flasche von einem eiskalten Killer entkront wird, der dann einen hörbaren Schluck nimmt, ehe er mit ruhiger Hand zum Schuss anlegt? „Aaaah!“ – Die Kohlensäure ist aus der Flasche entwichen, es hat laut dabei gezischt. Dann folgte das Geräusch von sprudelndem, klaren Wasser, das in ein Glas stürzte. Ersetzen Sie das Wort Wasser auch gern durch Ihr Lieblingsgetränk, Hauptsache Sie behalten nach dessen Genuss noch eine ruhige Hand. Und bitte on the rocks (gut, außer bei Bier oder Champagner), damit die Eiswürfel im Glas so richtig schön klirren und knacken.

Andererseitsr wäre mir gerade auch durchaus nach einerm Hörspiel, das so heiß ist wie das Straßenpflaster hier in Berlin, um mir eine Gänsehaut zu verursachen. Noch mal „aaaah!“. Nicht wundern, was ich heute schon wieder schreibe. Das kommt vom Klima hier, also sehen Sie mir meine Zweideutigkeiten nach. Es ist einfach heiß! Fehlt nur noch, dass die Palmen hier zu sprießen beginnen.

Das bringt mich aber dennoch auf den Hinweis eines Kommentators hier im Blog, der dazu anregte, mal bei Hörspielproduzenten anzuklopfen und zu fragen, ob sie nicht prickelnde Stoffe zu populären Hörspielen machen könnten, die nur was für uns „Große“ sind. Sie verstehen schon. Klar, jeder hat da so seine eigenen Vorlieben, und wenn man das Angebot bereits produzierter Hörspiele kennt, dann weiß man, dass es da schon auch mal ziemlich heiß hergehen kann.

Immerhin, die Qualität mir bekannter Hörspiele lässt nichts zu wünschen übrig und eines muss ich doch mal feststellen: was im Hörspielbereich so alles entsteht, ist wirklich großes Lob wert – sonst würde ich mir ja nicht regelmäßiger und mehr davon wünschen. Das ist, neben den hier erwähnten Gründen i. Ü. auch das erklärte Ziel, das ich im Namen von ICH WILL MEHR HÖRSPIEL auch noch mal ganz klar zum Wochenabschluss herausstellen möchte.

 

Hörspiel-Wunschprogramm?

Aber zurück zum obigen Gedanken: Frage ich Sie doch heute mal wieder nach Ihrem Dafürhalten! Welche Stoffe, Bücher oder Geschichten würden Sie eigentlich liebend gern mal als Hörspiel erleben? Kramen Sie ruhig mal in Ihren Regalen. War da nicht dieses tolle Buch, das auch ein hinreißendes Hörspiel werden könnte?

Interessant ist die Frage ja schon, ob gezielt gewählte Stoffe zu einer Hörspiel-Trendwende beitragen könnten, würden oder sollten. wenn Sie wählen dürften.

Ich gehe an dieser Stelle auch gern noch einen Schritt weiter, indem ich Sie dazu aufrufe, mir Ihre geheimsten, aufregendsten und schönsten Hörspielmomente zu verraten. Trauen Sie sich, dann verrate ich Ihnen nämlich auch mehr. Aber nur dann. Ätsch!

 

Ein leises Servus zum Abschied dieser Hörspiel-Woche

Es wird Zeit, das Wochenende naht mit Riesenschritten und auch ich mache hier jetzt allmählich mal die Schotten dicht; allerdings nicht, ohne Ihnen nicht noch den Wunsch mit auf den Weg zu geben, dieses hochsommerliche Treiben richtig genießen zu können. Legen Sie also die Füße hoch, trinken Sie was Kaltes und machen Sie sich ein paar heiße Gedanken zu dieser Woche hier in Ihrem Hörspiel-Blog!

Bis Montag also in alter Frische!

 

 

Tag 8 – Woher kommt die Gattung Hörspiel eigentlich?

Na? Haben Sie sich schon ein paar Gedanken gemacht zu meinen gestrigen Fragen?

Es gibt ja diesen frivolen Satz:

wo ein Wille, da ein ….genau, Radio!

Na na na! Und weil das so ist und wir ja in einem sehr mobilen Zeitalter leben, findet sich immer Gelegenheit, seine Zeit sinnvoll mit Hörspielen und Features zu verbringen und mit ihnen, aus Ihrem Weltempfänger rauschend, von der Küche ins Wohnzimmer umzuziehen oder mit Ihrem iPod – glasklar zu vernehmen – von Timbuktu nach Berlin.

 

Die Geschichte des Hörspiels

Aber dazu alsbald noch mal mehr. Heute habe ich mich ja etwas eingehender mit der Frage auseinandergesetzt, wie es eigentlich dazu kam, dass seinerzeit Hörspiele und Features entstanden sind. Ehe das Fernsehen in jedem Haushalt Einzug fand, war ein Rundfunkempfänger ja DAS Medium schlechthin und bot eine Menge Freude und Zerstreuung – eben und vor allem auch mit Hörspielen.

Dank Wikipedia und dank Copy und Paste hier ein kleiner Auszug aus dem Beitrag, den ich dazu gefunden habe:

Die Entwicklung des Hörspiels (anfangs noch Sendespiel genannt) ist eng mit der Geschichte von Theater und Film verbunden, zu denen es bis heute in Konkurrenz steht.

Die deutsche Hörspielgeschichte reicht bis in das Jahr 1918 zurück. Damals begann man bei der Firma Telefunken mit Bearbeitungen von Theaterstücken für die Ausstrahlung per Funk. 1923 inszenierte F. A. Tiburtius in den Experimentalstudios von Telefunken das erste richtige Hörspiel nach heutigen Maßstäben. Es hatte den Titel „Anke“. Gesendet wurde es jedoch nie. Die ersten im deutschen Radio ausgestrahlten Hörspiele waren „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch (am 24. Oktober 1924 in Frankfurt am Main über die Welle 467) und „Spuk“ von Rolf Gunold (1925 über einen Breslauer Sender).[2]

Anfang der 1930er Jahre waren Hörspiele im Rundfunk so beliebt, dass die BBC Leitfäden für deren Produktion aufstellte, etwa für den Einsatz von Soundeffekten:

„Geräusche sollten eher die Stimmung [eines Hörspiels] unterstreichen, als die Szene bebildern. Angenommen, man hat einen Dialog wie diesen: Noch ein Glas Portwein?Gern.Edler Tropfen!, dann ist es doch offensichtlich, was passiert, dass zwei Leute Portwein trinken, und unnötig und vermutlich ziemlich lächerlich, den Dialog mit Klängen klirrender Gläser und dem Einschütten von Flüssigkeit zu illustrieren. […] Man sollte in der Tat ein Schauspiel für den Rundfunk als symphonische Form verstehen, bei der das gesprochene Wort nur ein Faden in einem aus Klang gewobenen Stoff darstellt.“[3]

Am 30. Oktober 1938 sorgte die Ursendung von Krieg der Welten nach H. G. Wells in New York für Aufsehen. Zahlreiche beunruhigte Bürger meldeten sich bei der Polizei in Besorgnis um einen vermeintlichen Marsangriff.

In Westdeutschland erlebte das Hörspiel zwischen 1945 und 1960 einen regelrechten Boom, der sich in jährlich 500 gesendeten und insgesamt 160 abgedruckten Hörspielen niederschlug. Diese Tatsache war vor allem den äußeren Umständen im Nachkriegsdeutschland geschuldet, in dem der Großteil der Theater und Kinos noch zerstört waren.[4]

In den 1950er Jahren und zum Teil auch in den 1960er Jahren herrschte typischerweise das sogenannte Hörspiel der Innerlichkeit vor, das sich durch Geräuscharmut auszeichnete. Das Primat lag also auf der Sprache, weshalb es auch als „Worthörspiel“ bezeichnet wird – die Illustration durch klangliche Effekte oder eine Geräuschkulisse wurde minimiert und überwiegend nur als sogenannte „key sounds“, Geräusche mit symbolhafter Bedeutung, akzeptiert. Dies fördert die Suggestion einer inneren Welt (z. B. Erinnerungen) beim Rezipienten, was die Funktion einer Vergangenheitsbewältigung – die in der Nachkriegszeit eine große Rolle einnahm – potenziell unterstützen kann. Aus technischen Gründen wurde deshalb der Schnitt, der damals häufig noch als hörbare Markierung wahrgenommen werden musste, vermieden. „Weil der Schnitt stets auf das Magnettonband verweist, auf dem das Hörspiel aufgenommen ist, insistierte er auf die Materialität des akustischen Signifikanten, anstatt ihn zugunsten der Produktion eines imaginären Signifikats zu verdrängen.“[5]Bernhard Siegert konstatiert also für das Hörspiel nach 1945 vor allem das Charakteristikum der Abwesenheit des Mediums Radio in den über das Radio gesendeten Hörspielen. Er nennt dieses Phänomen „negative Radioästhetik“.[6]

Ein bedeutender Vertreter des „Worthörspiels“ ist Günter Eich. Siegert unterstellt Eich ein bewusst geäußertes Statement für das Worthörspiel, wenn er am Anfang seines Hörspiels Das Jahr Lazertis den Protagonisten Paul sagen lässt:

„Ich fuhr empor, als ich das Wort vernahm. Jemand, der an meinem Fenster vorüberging, mußte es ausgesprochen haben, im Gespräch und nebenbei, obwohl es das Wort war, das alle Geheimnisse löste. Für seine Dauer war die Welt verwandelt und begriffen, aber im gleichen Hauch war es auch wieder vergessen“

Günter Eich[7]

Ein historisches Nachschlagewerk ist Reclams Hörspielführer von 1969. Über die aktuelle Entwicklung im Bereich Radiokunst informierte von 1996 bis 2009 der monatliche Hörspielkalender des Deutschlandfunks.

Sie sehen, Hörspiele haben eine lange und bewegte Tradition. Am liebsten lese ich in diesem Beitrag ja den Abschnitt über die Zeit des Hörspiel-Booms und kann nur dazu aufrufen, diesen Trend wiederaufleben zu lassen.

Inzwischen wissen Sie ja, warum…

Gruß und Kuss aus Berlin und bis morgen!

 

 

Und am 7. Tag erschuf…

…der liebe Gott das Radio, um den Menschen nicht nur die Top 10 vorzududeln, sondern auch, um das wunderschöne Kleinod Hörspiel und Feature unter seine Geschöpfe zu bringen, das Teil einer riesigen Kulturlandschaft werden sollte. Zugegeben habe ich heute einen kleinen Knall, zum großen ist es mir klimatisch aber einfach zu anstrengend.

Im Hintergrund dieses Blogs passiert ja täglich noch ganz viel, um ICH WILL MEHR HÖRSPIEL hochzuschaukeln und weiterzubefördern und so weit zu treiben, dass Sie alle da draußen bei Hörspielen sofort ganz große Ohren bekommen. Sprichwörtlich. Die Ergebnisse werde ich dann natürlich sofort live und in FARBE hier posten, damit Sie richtig stolz sein können, ein Teil dieser spannenden Entwicklungen zu sein.

Hach ja, das ist ein Tag heute! Hatte ich Ihnen gestern nicht das pure Vergnügen in Aussicht gestellt? – Stimmt, ich erinnere mich. Und weil es heißt, „versprochen ist versprochen, wird das auch nicht gebrochen“.

 

Mache ich also einen kleinen Exkurs mit Ihnen und frage:

Wo und wann wird Hörspiel zu einem puren Vergnügen?

Überlegen Sie doch mal, welche Gelegenheiten sich in Ihrem Alltag so alles ergeben, bei denen Sie so richtig froh wären über geistige Anregung, Unterhaltung, etwas richtig Spannendes, tolle Stimmen, Töne…!

Wie Sie sich bereits denken können, habe ich mir dazu auch schon einige Gedanken gemacht, die ich auch heute wieder gern mit Ihnen teile.

Leider verdrängen audiovisuelle Formate ja rein auditive (wie die Gattung Hörspiel/Feature) zusehends. Realistisch bleibt, dass es bequemer ist, nach Feierabend die „Glotze“ einzuschalten, als sich auf ein Hörspiel einzulassen. Dennoch gibt es zahlreiche Gelegenheiten, die ideal für Hörspiel- und Feature-Momente sind:

Wie oft müssen wir irgendwo warten? Im Auto, in der Warteschlange, auf Bahnhöfen, Flughäfen, beim Arzt….
Spezielle Angebote an diesen Orten, Hörspiele auf Abruf anzubieten (Hörspiel on demand), sind eine Möglichkeit.
Verknüpft mit zeitgemäßen/hippen/coolen Events und Aktionen, können Hörspiele sehr attraktiv wieder ins Bewusstsein der Menschen geholt werden. Die Bereitschaft sich auf Hörspiele/Features einzulassen, soll in unterschiedlichster Weise geweckt und wieder populär werden.
Hörspiel könnte man ja auch als etwas „Cooles“ für jugendliche Zielgruppen vermarkten…

Et Cetera pe peee.

 

And now it’s your turn!

Was denken Sie dazu? An welchen Orten hätten Sie Lust auf das Medium Hörspiel? Bei welchen Gelegenheiten wären Sie sogar richtig froh, wenn Sie in den Genuss eines solchen kommen dürften? Und wie müssten etwaige Angebote gestaltet sein, damit Sie sofort darauf zugreifen wollten? Dies als kleine Hausaufgabe an Sie! Schreiben Sie, was das Zeug hält – ich kann es ertragen…:-).

 

 

Tag 6 – Wie schon Oscar Wilde sehr treffend sagte,…

…“ist Vergnügen das einzige, wofür man leben sollte. Nichts macht so alt wie Glück.“

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Noch treffender für meine heutige Einleitung ist allerdings dieser schöne Gedanke von ihm:

„Es gibt nicht annähernd genug Versuchungen. Manchmal verbringe ich einen ganzen Tag, ohne daß mir eine einzige über den Weg läuft. Das ist besorgniserregend.“

Nachdem ich ja bereits gestern angedeutet hatte, dass ich gedenke, Sie zu verführen, werde ich also diesbezüglich wohlige Abhilfe schaffen. Immerhin hält es jung, den Puls mindestens einmal am Tag richtig hochzutreiben. Dazu geht der eine im Park, der andere in der Phantasie joggen etc.pp. – oder läuft Amok, um sich fit zu halten, wie es Hildegard Knef auch mal sehr schön bemerkte. Aber ich schweife ab, immerhin geht es hier um eine eher entspannende und unterhaltsame Verführung – und zwar wozu? – Genau, zum Hörspiel!

 

Verführung zum Hörspiel

Erliegen Sie also der Versuchung, lassen Sie sich ver- und entführen, und stellen Sie sich nun einfach einen schönen Sommertag wie heute vor (sofern er bei Ihnen so angenehm ist wie gerade hier in Berlin).

Sie liegen auf einer Blumenwiese oder am Ufer eines Sees, die Vögel zwitschern, die Bäume rauschen sanft im Wind und Sie betrachten noch friedlich, wie kleine Wolken ganz weit oben am Himmel vorüberziehen, während weitab eine einsame Kirchenglocke den Abend einläutet. Hören Sie das? Ein Kind lacht wenige Meter von Ihnen entfernt und streckt einen Zeh ins Wasser, während Sie längst die Augen geschlossen haben, nur noch hören und fühlen – und sich die Bilder in Ihrem Kopf ganz automatisch einstellen. Sehen Sie, Sie tragen die phantastischsten Kinofilme also längst in sich. Spätestens, wenn Stimmen Sie jetzt auch noch in eine spannende Geschichte tragen, werden Sie kaum nach mehr verlangen wollen, oder?!

 

Mittel zum Umsetzung der Kampagne

Ich wette, mit diesen Bildern vor Ihrem geistigen Auge habe ich Sie bereits ein wenig in die richtige Stimmungslage gebracht, nun weiterzulesen, mit welchen Mitteln wieder ein breiteres Bewusstsein für Hörspiele entstehen soll.

Stellen Sie sich zu Beginn doch einmal

  • breitflächige Plakatschaltungen mit einem originellen passenden Motiv und Slogan oder einem Lächeln Ihres Lieblingsschauspielers mit dessen Statement vor, dessen Stimme Sie schon immer gern gehört haben – oder Großanzeigen, Einspieler im Rundfunk und originelle Angebote in Alltagssituationen….
  • Hörspiele sollen richtig Spaß machen bei zeitgemäßen Aktionen und Events wie z. B. in Hörspielbussen (+ ggf. gastronomischem Angebot), durch Downloadaktionen auf Smartphones / Tablets, durch Angebote im ICE, auf Flughäfen oder im Flieger, Open-Air-Hörspielkino, Hörspiel-Hotspots im öffentlichen Raum (z.B. in Hörkabinen/-zellen, Hörlabyrinthen, begehbaren Riesen-Ohrmuscheln -> Hören und Verweilen inmitten belebter Städte), in Buchläden, Kirchen, Ausstellungen, Museen; in Kindergärten, Kitas und Schulen (i. F. v. Hörspielstunden)…und und und. Je kontrastreicher/ausgefallener die Rahmen- und Ortsbedingungen sind, umso origineller und effektiver das Event.
  • In Verbindung mit der Kampagne sollen Aufrufe in der Tagespresse zu Aktionen und Programmangeboten einladen. Auch wären Hörspiele und Features möglicherweise als ein aktueller Themenschwerpunkt in den Medien denkbar, um über deren Geschichte und Entstehung o. ä. zu informieren.
  • Wichtig ist meines Erachtens auch eine insgesamt BESSERE VERBREITUNG UND BEKANNTGABE von HÖRSPIELSENDEZEITEN und Mitwirkenden (v. a. bei prominenten Namen).

Wie würde Ihre Hörspiel-Kampagne aussehen?

Und jetzt sind Sie dran! Wie müsste eine Kampagne organisiert sein, um Sie zu begeistern? Welche Aktionen würden Sie sich wünschen? Und wie müsste ein Plakat oder Aufruf gestaltet sein, damit Sie wirklich hinschauen und lachend, verblüfft oder nachdenklich reagieren? Kommentieren Sie dazu Ihre eigenen Gedanken! Jede Meinung zählt!

 

Und morgen…

…mache ich einen kleinen Exkurs mit Ihnen.

So viel verrate ich schon mal: Es geht wieder um das „pure Vergnügen“.

 

Tag 5 – Müde, glücklich, unverzagt

Ein heiserer Start in die neue Hörspiel-Kampagnen-Woche

Haben Sie heute auch keine Stimme mehr und gruseln sich ob der Fotos, die gestern im Taumel von Ihnen entstanden sind, als endlich die blanke Freude über das erlösende Tor explodierte? Dann geht es Ihnen wie mir. Ich bin müde, zufrieden und mit allem schrecklich spät dran heute.

ICH WILL MEHR HÖRSPIEL e.V. oder gemeinnützige UG?

Dafür war ich aber dennoch fleißig und habe ein wenig herumtelefoniert, was es mit Firmierungen und Vereinsgründungen so auf sich hat, wenn ich hier zu Spenden aufrufen will. Inzwischen hat sich herauskristallisiert, dass sich für diese Zwecke am ehesten die Gründung einer gemeinnützigen Unternehmergesellschaft (kurz: UG) eignen würde. Das hat mich offen gestanden gefreut, weil ich schon beim Wort Verein leichtes Unbehagen verspüre. Sobald diese Kampagne jedenfalls in den Genuss eines ersten Förderflusses kommt, werde ich sofort damit loslegen, alles beim Notar festzuzurren – dann können Sie endlich auch mit Spendengeldern winken und ich darf Spendenquittungen ausstellen.

Ziel der Kampagne

Aber bis es damit soweit ist, möchte ich Ihnen heute nun nicht den 3. Teil meiner Gedankengänge zu ICH WILL MEHR HÖRSPIEL vorenthalten, die in den vergangenen Wochen gereift sind. Vorab aber noch mein Dank an alle, die diesen ja noch sehr jungen Blog bislang besucht und sogar schon erste Kommentare hinterlassen haben! Weiter so! Ich bin neugierig auf Ihre Meinungen, Ihre Wahrnehmung von Hörspielen und Features und deren Stellung in Ihrem Alltag.

Nun werde ich aber endlich näher auf das Ziel dieser Hörspiel-Kampagne eingehen, damit Sie ein Bild davon bekommen, was mit ICH WILL MEHR HÖRSPIEL alles erreicht werden soll:

  • Der Erfolg der Kampagne soll Teil einer positiven Gesamtentwicklung kulturell anspruchsvoller Formate werden.
  • Gerechtere Verteilung des Etats auf Redaktionen, die den angemessenen Kosten eines jeweiligen Ressortbereichs entsprechen.
  • Verbesserung der Auftragslage für Hörspielschaffende.
  • Freie künstlerische und dramaturgische Entfaltungsmöglichkeiten für Hörspielschaffende. Erhalt eines hohen Niveaus in der Umsetzung von Hörspielproduktionen.
  • Erhalt bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze.
  • Nachfrage nach Hörspielen und Features in der Bevölkerung soll durch öffentlichkeitswirksame Aktionen wieder deutlich wachsen und dadurch Einfluss auf Entscheidungsträger ausüben.
  • Das Hören und Zuhören soll wieder bewusster ausgebildet und gepflegt werden. Nutzen Sie in einer ruhigen Minute doch mal wieder einzig und allein Ihren Hörsinn und staunen Sie, welche Wirkung davon ausgeht!
  • Hörspiele sollen i. Ü. auch landläufig deutlicher von Hörbüchern unterschieden werden können.

Und morgen…

…werde ich Ihnen verraten, was ich mir so alles ausgedacht habe, um Sie und überhaupt alle Alters- und Zielgruppen nach allen Regeln der Kunst zu Hörspielen zu verführen – immerhin spreche ich hier von Kino fürs Ohr(!). Lassen Sie sich also überraschen!

Tag 4 – Ehe ich ins Wochenende starte….

Ehe ich und Sie nun bestimmt gut gelaunt ins Wochenende starten, blättere ich gerade noch mal ein wenig in meinen Unterlagen, um zu sehen, was ich Ihnen und dem Hörspiel für die kommenden beiden Tage Gutes tun kann. Immerhin – und das habe ich heute in einem Artikel gelesen – beginnt Ihr IQ nach 48 Stunden Müßiggang bereits unerfreulich zu sinken.

Noch schlimmer ergeht es Urlaubern ohne geistige Anregung. Sollten Sie gerade ein solcher sein, wird Ihnen nun mit folgender Frage geholfen, die meines Erachtens ein schöner und wichtiger Punkt ist (am Montag frage ich ab, also ganz genau lesen!:-) :

 

Mehr Hörspiel? Für wen und von wem?

Mehr Hörspiel für all jene, die ein aufrichtiges Interesse haben
an Sprache; an Phantasie; an Kultur und Bildung; an der gelungenen Verbindung von Wort, Ton und Musik; an Kino ohne Bilder; daran zuzuhören; Bilder im Kopf wahrzunehmen; sich die Augen verbinden und überraschen zu lassen; sich einzulassen auf das Geschenk des Hörens – und überhaupt gern Kind sind oder bleiben und noch staunen,…
Das Bedürfnis nach Rückbesinnung und Entschleunigung nimmt generell zu, Hörspiele/Features dürften insofern aktueller sein denn je – sofern man Menschen wieder darauf stößt!

Mehr Hörspiel durch Mitwirkung von
Förderern, Kultur- und Bildungsbeauftragten, Hörspielschaffenden, Programmgestaltern, Redaktionen, Initiatoren der Kampagne,…

…und Ihnen?

Mit diesen Gedanken entlasse ich Sie jetzt in ein erholsames und siegreiches WM-Wochenende – feiern Sie schön!

Tag 2 – Jeder Tag hat seine eigenen Freuden

Heute ist so ein Tag, an dem die pure Freude über den Deutschlandsieg sich mit Alltagsfragen abwechselt und dadurch immer mal wieder leicht ausgebremst wird. Mit dem Einzug ins Finale verhält es sich allerdings auch so wie mit dem Verliebt sein. Wenn die Glückshormone überschwappen, befinden Sie sich rasch in einem ungesunden Ausnahmezustand, der auf Dauer gar nicht auszuhalten ist. Umso besser also. Während ich gestern Abend allerdings noch nichtsahnend diesen Aufruf hier startete, mischten sich nüchterne Überlegungen in mein blankes Erstaunen über drei Tore in drei Minuten und das letztlich extraterrestrisch anmutende 7:1, ob ich hier so mir nichts, dir nichts zum Spenden aufrufen kann.

Die völlig empörte Antwort einer Dame beim Finanzamt lautete postwendend auf Nein. Kann ich also nicht. Das Telefon wurde plötzlich selbst zum Hörspiel-Medium, ich begann mir nämlich vorzustellen, wie die Frau zu dieser Stimme wohl aussehen würde, die durchaus Talent in der Färbung ihrer Stimmlagen bewies. Bestimmt trägt sie einen Dutt, dachte ich gleich, und ist bis zum Hals zugeknöpft – trotz der Wetterlage. Sie schepperte mir mit brüskem Ton ins Ohr, als hätte ich als guter Bürger die Pflicht, darüber Bescheid zu wissen, wie das alles mit Körperschaften, Gemeinnützigkeiten und nicht natürlichen Personen zu funktionieren hat. Ich mache sowas ja auch jeden Tag.

Jedenfalls werde ich wohl so etwas wie einen Verein gründen müssen, damit ich beim Finanzamt nachweisen kann, dass ICH WILL MEHR HÖRSPIEL der Gemeinnützigkeit dient, wenn ich lässig und gut gelaunt ein Spendenkonto errichten und hier angeben will. Dass es allerdings auch Vereinsgründungen gibt, die nicht eingetragen werden müssen, hat mich immerhin schon mal erleichtert. In jedem Fall mache ich mich dazu noch mal etwas schlauer und halte Sie auf dem Laufenden. Sollten Sie meine Idee zur Spende jetzt, hier und sofort für gut befunden haben, müssen Sie sich also dennoch noch etwas gedulden.

Wie versprochen, gebe ich Ihnen aber nun Teil 1 meines PR-Konzeptes an die Hand. Ich habe etwas selektiert und denke, es wäre von Vorteil, Ihnen vor allem näherzubringen, warum das Hörspiel für mich ein so wichtiges Genre ist. Was macht das Hörspiel also so besonders in meinen Augen und warum sollten Sie meine Meinung überhaupt teilen?

Warum also (mehr) Hörspiel?

Hörspiel und Feature leisten einen wichtigen Beitrag zur Schule des Hörens und vor allem des ZUHÖRENS!
• Die Gattung Hörspiel/Feature ist somit auch Teil des Kultur- und Bildungsauftrags und trägt zur Programmvielfalt bei.
• Die Gattung wird fast nur noch im deutschsprachigen Raum produziert – wenn Hörspiele hier nicht mehr entstehen können, stirbt ein Kulturgut.
• Der künstlerische Ertrag eines Hörspiels wird mit erstaunlich günstigen Mitteln ermöglicht (durchschnittliche Produktionskosten für ein Hörspiel 20.000 €. Welches andere qualitative Medienformat kann da mithalten?)

Bildquelle: http://www.welt.de/wissenschaft/article1735411/Mozart-Sonaten-beruhigen-Kinder-und-Kuehe.html
Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/article1735411/Mozart-Sonaten-beruhigen-Kinder-und-Kuehe.html
  • Welches Kind liebt Hörspiele nicht? Ein Verlust dieser Gattung ist allein hier undenkbar. Natürlich werden Kinderhörspiele heute z.T. auch von privaten Produzenten hergestellt. Aber – nicht selten – mit welchen Qualitätsstandards?! Die Ohren unserer Kinder sind zu empfindlich, um sie (allein) den privaten Anbietern zu überlassen! Erinnern Sie sich nicht auch noch gern an das eine oder andere besondere Hörspiel aus Ihren Kindertagen?

Phantasie und Sprache werden ausgebildet. Interesse am Buch zum Hörspiel wird ggf. mit geweckt…
Faszinierende Arbeitsweise: In Hörspielproduktionen wird mit sehr reduzierten, non-visuellen Mitteln Vortreffliches geleistet. Der geschärfte Blick auf den konzentrierten Kern einer Geschichte und die Möglichkeiten seiner Vertonung bringt „Hör“-Spiele als ein sinnliches Erlebnis hervor. In diesem kleinen Wirkungsfeld nutzt der Hörspielschaffende kongenial häufig nur das Mittel der Andeutung. Als Teil eines Ganzen entfaltet es seine volle Wirkung erst im Kopf des Hörers – pars pro toto in seltener Vollendung
Hörspiele/Features heben sich deutlich ab von der aktuellen optischen Überreizung im Alltag und von der häufig verstörenden Bilderflut anderer Medienformate. Der Mensch kommt beim Zuhören zur Ruhe, wird nur durch EIN Sinnesorgan gefordert wird dadurch aber um so intensiver zum Denken und Empfinden verführt.

To be continued….

 

Haben Sie auch die schönsten Erinnerungen an jene Hörspiele Ihrer Kindertage? Und finden Sie auch, dass Hörspiele eine positive Trendwende verdient haben – und das nicht nur, weil immer weniger davon produziert wird? Dann machen Sie mit bei ICH WILL MEHR HÖRSPIEL und erfahren Sie, warum Hörspiele so erhaltensswert und förderungswürdig sind!